Wird bei einer Routineuntersuchung eine Parodontitis diagnostiziert oder treten Veränderungen des Zahnhalteaparates zwischen den zweimal pro Jahr stattfindenden zahnärztlichen Untersuchungen auf, ist in der Regel eine Behandlung notwendig. Häufig sind alle oder nahezu alle Zähne, bzw. deren Zahnhalteapparate (Parodontien) betroffen. Die systematische Parodontalbehandlung ist eine Abfolge standardisierter Untersuchungs- und Behandlungsschritte.

Vorbehandlung
Zu Beginn jeder Therapie steht immer eine genaue Diagnose. Von allen Zähnen wird an vier bis sechs Stellen die Höhe des Zahnfleisches gemessen. Diese so genannten Sondierungstiefen werden genau dokumentiert. Sind diese Sondierungen tiefer als zwei Millimeter, was einem gesunden Zahnfleisch entspricht, ist von Zahnfleischtaschen die Rede. Der Begriff Tasche ist also bereits eine Krankheitsbeschreibung. Im weiteren Verlauf der Behandlung kann immer wieder Bezug auf den eingangs erhobenen Befund genommen werden. Eine Röntgenuntersuchung aller vorhandenen Zähne gehört immer zur Erhebung der Befunde bei einer Parodontitis. Beim Vorliegen bestimmter lokalisierter Rückgänge des Zahnfleischs kann ein Rezessionsstatus ergänzend erhoben werden. Die systematische Parodontaltherapie beginnt mit der so genannten Vorbehandlungsphase. Hier werden zwei oder mehrfach Professionelle Zahnreinigungen durchgeführt. Bei diesen Behandlungen werden alle Bereiche der Zähne gereinigt, an die ohne Betäubung gelangt werden kann. Am Ende dieser Phase werden nach einer Wartezeit von mindestens zwei Wochen nochmals alle Sondierungstiefen erhoben und dokumentiert. Beim Vorliegen oberflächlicher Befunde kommt es bereits jetzt zu einem Schließen der Zahnfleischtaschen. Eine weitere Therapie ist dann nicht notwendig. In der Vorbehandlungsphase werden alle vorhandenen Kariesstellen beseitigt und abstehende Kronenränder geglättet. Das Krankheitsbild kann eine Bestimmung der Parodontalkeime notwendig machen.

Im Überblick werden in der Initialphase der systematischen Parodontitistherapie folgende Schritte durchgeführt:

  • Aufklärung über die Ursachen und Therapie der Parodontitis
  • Entfernung aller harten und weichen Beläge oberhalb des Zahnfleischrandes
  • Beseitigung aller Kariesstellen
  • Beseitigung störender Kronenränder
  • Messung aller Sondierungen und deren Dokumentation
  • eingehende Erläuterung des individuellen Krankheitsbildes
  • Anleitung zu einer korrekten Mundhygiene
  • Kontrolle der Bemühungen des Patienten
  • Motivation des Patienten zur Aufrechterhaltung der Bemühungen
  • Eventuell Rezessionsstatus
  • Eventuell Keimbestimmung

Parodontalbehandlung
Nach erfolgreicher Durchführung der Vorbehandlungsphase kann jetzt mit der eigentlichen Parodontalbehandlung begonnen werden. Je nach Sondierungstiefe wird eine offene oder geschlossene Behandlung durchgeführt. Bei gering gradigen Taschen wird nicht-chirurgisch, also geschlossen gearbeitet. Unter einer oberflächlichen lokalen Betäubung werden alle Auflagerungen (Konkremente) auf den Wurzeloberflächen entfernt (Scaling) und eine Glättung (Root Planing) durchgeführt. Dies geschieht mit kleinen grazilen Werkzeugen und geübter Hand. Bei tiefen Taschen geschieht dies unter Sicht, also offen. Wurde in der Vorbehandlungsphase eine Bakterienbestimmung mit positivem Ergebnis durchgeführt, kann eine begleitende Antibiotikaeinnahme sinnvoll sein. Als Ergänzung der oben genannten Maßnahmen kann bei besonders tiefen Taschen mit erheblicher Knochenbeteiligung eine gesteuerte Geweberegeneration unter Einsatz von Membranen durchgeführt werden. Ebenso kommt die Verwendung von Schmelz-Matrix-Proteinen (Emdogain) in Betracht. Eine andere sinnvolle Ergänzung kann die Verwendung eines Lasers mit einer bestimmten Wellenlänge in geringen zeitlichen Abständen nach der Therapiephase sein.

Im Überblick werden in der Behandlungsphase der systematischen Parodontitistherapie folgende Schritte durchgeführt:

  • Wurzelreinigung (Scaling)
  • Wurzelglättung (Root Planing)
  • Eventuell begleitende Einnahme von Antibiotika
  • Eventuell begleitende Lasertherapie
  • Eventuell gesteuerte Geweberegeneration mit Membranen
  • Eventuell gesteuerte Geweberegeneration mit Schmelzmatrixproteinen

Neubewertung
Drei Monate nach Ende der Parodontalbehandlung werden wieder alle Zahnhalteapparate sondiert und das Ergebnis dokumentiert. Diese Neubewertung nennt man Reevaluation. Abhängig vom Ergebnis wird noch einmal behandelt oder in die Phase der Nachsorge, dem so genannten Recall, übergegangen. Auch an dieser Stelle kann eine erneute Keimbestimmung sinnvoll sein.

Recall
Eine Parodontitis lässt sich niemals völlig ausheilen – eine bittere Erkenntnis. Durch geeignete Maßnahmen wie regelmäßige professionelle Zahnreinigungen, regelmäßiges Messen der Sondierungen, eventuell ergänzende Lasertherapie oder Cryotherapie kann in den meisten Fällen der Fortschritt der Parodontalerkrankung so weit verlangsamt werden, dass über viele Jahre dramatische Abbau von Halte- und Stützgewebe vermieden werden kann. Die konsequente Einhaltung der regelmäßigen Recalltermine und deren sorgfältige Durchführung ist wissenschaftlich belegt der sicherste Weg in der Behandlung der Parodontitis.

Siehe auch Rezessionsstatus
Siehe auch Keimbestimmung
Siehe auch Schmelzmatrixproteine
Siehe auch Parodontitistherapie mit dem Laser